Erst kürzlich hat die letzte von 21 Rangierloks des Typs Ee 922 für SBB Personenverkehr die Werke von Stadler Winterthur verlassen. Sie bieten dem Lokführer dank der grosszügigen Verglasung und asymmetrischer Anordnung der Vorbauten einen hervorragenden Blick auf die Zwergsignale die zu rangierenden Wagen. Wegen dieser grosszügigen Verglasung hat die Lok auch den Spitznamen "Papamobil" bekommen. Die Führerpulte können sogar vor die verglasten Türen ausgezogen werden. Der Aufstieg erfolgt bequem über eine Treppe. Für sicheres An- und Abkuppeln weist das Fahrzeug eine Kupplungsbeleuchtung auf. Die Loks sind auf Mehrfachtraktionen und Zugsicherung für den Streckeneinsatz vorbereitet. Dies ist jedoch momentan nicht vorgesehen, obwohl die Ee 922 bis zu 100 km/h schnell fahren können (Getestet bis zu 120 km/h). Dank einer passiven Radialeinstellung der Radsätze, schlingert die Zweiachslok auch bei hohen Geschwindigkeiten nicht. Das "Papamobil" ist 45 Tonnen schwer, 600 kW stark und 8.8 Meter lang. Ausserdem ist das kleine "Wunderding" nebst dem schweizerischen auch für das französische Stromsystem ausgelegt.
Die neuen Rangierlokomotiven ersetzen die teilweise noch aus den 30-er Jahren stammenden Ee 3/3. Anzumerken ist allerdings, dass heutzutage weniger Rangierloks benötigt werden (und deshalb auch weniger Ee 922 bestellt wurden als Ee 3/3 ersetzt), da wegen den Pendel- und Triebzügen mit wenigen Ausnahmen nur noch Verstärkungsmodule rangiert werden müssen.
Stadler hat mit dem Design der Ee 922 den "Bronzenen Hasen 2010" gewonnen, der von der Zeitschrift "Hochparterre" vergeben wird. Bei der Preisverleihung war ein Modell der Ee 922 anwesend. Bild 1 Bild 2 (beide Urs Schück)
Zudem gewann die formschöne Rangierlok 2011 einen «Brunel-Award». Die «Brunel-Awards» werden alle vier Jahre von einer internationalen Jury für gutes Eisenbahndesign verliehen.
Die innovative Rangierlok von Stadler hat auch SBB Cargo überzeugt, die im Sommer 2010 30 Hybridloks des Typs Eem 923 bestellten, welche der Ee 922 stark ähneln. Diese hat neben einem stärkeren Elektro-Antrieb auch einen kleinen Dieselmotor für fahrdratlose Anschlussgleise. Auch optisch unterscheiden sich die Rangierloks von SBB Cargo ein wenig, da sie wieder nur mit seitlichen Aufstiegen ausgerüstet werden. Die erste Eem 923 ist eben erst ausgeliefert geworden. Hier ein erstes Bild davon (© Foto SBB).
In Modell wird die Ee 922 von Werner Rohr in Spur 0 hergestellt und ist nur in Bausatzform erhältlich (www.schuck.ch). Links auf dem Bild ist mein Modell zu sehen. Dazu ist im Eisenbahn Amateur 6/2011 ein Baubericht von mir erschienen. HIER können Sie sich den Baubericht Gratis als PDF herunterladen. Kaufen Sie sich doch auch mal den tollen Eisenbahn Amateur am Kiosk oder werden Sie unter www.eisenbahn-amateur.ch Abonnement!
Ausserdem hat Fredi Gautschi die Ee 922 angekündigt (ebenfalls Spur 0). In den Frühlingsneuheiten 2011 hat HAG nun auch die Ee 922 in H0 Grossserie angekündigt.
Nachweise: www.stadlerrail.com, www.sbb.ch (Medienmitteilungen), Zeitschrift LOKI 12/2010, Buch «Moderne Schweizer Lokomotiven und Triebwagen» von Ralph Bernet, eigene Erfahrungen beim Modellbau
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